Spanien, meine Sprachreise

Ich weiß immer noch nicht, welcher Teufel mich damals geritten hat, Spanisch als Wahlpflichtfach in der Oberstufe zu wählen. Ich weiß auch nicht, welcher Teufel (aber es muss wohl der gleiche gewesen sein) mich geritten hat, spanische Geschichte zu studieren. Spanische Geschichte - für eine Deutsche sicherlich so nützlich wie mittelalterliche Metaphysik, aber wollte es eben unbedingt machen und jetzt mach' ich's eben auch. Es bietet sich eigentlich immer, egal, was man studiert, an, ein Auslandsemester zu absolvieren. Nun gut, wenn man spanische Geschichte studiert, dann geht man sicherlich nicht nach Afghanistan für sein Auslandssemester. Da private Wohngemeinschaften in Spanien nicht sehr populär sind, wurde ich in einem Studentenwohnheim untergebracht. Obwohl ich mit recht vielen Leuten unter einem Dach gelebt habe und ich selbst nach einem halben Jahr Aufenthalt alle mit Namen kannte, war es doch recht eine familiäre Atmosphäre dort. Die Spanier sind eben ein herzliches, temperamentvolles Volk. In Spanien stehen recht viele, in Barcelona allein schon insgesamt sieben Universitäten. Die "Universität Barcelona", beziehungsweise die Universidad de Barcelona genießt einen guten Ruf, was Geschichte angeht, und daraufhin beschloss ich auch, mein Auslandssemester dort zu verbringen. Ich gebe zu, ich wollte auch nicht lange herumsuchen.

Eigentlich sah ich dem Semester recht zuversichtlich entgegen. Mein Spanisch klingt - auch heute noch, nach einem halben Jahr in Spanien - sehr "deutsch", aber nichtsdestotrotz kann ich mich verständigen, auch in Geschichte war ich recht fit (vor allem in meinem Lieblingsthema, der Inquisition), aber als mich meine Schwester auf den Flughafen brachte, war mir schon recht mulmig. Nicht nur wegen dem Flug - ich hasse Fliegen - sondern weil ich nicht so recht wusste, was mich erwartet. Da ich aber kurz nach dem Abheben des Flugzeugs eingeschlafen bin und erst wieder kurz vor der Landung aufwachte, war das erste Problem zumindest erledigt.

Vor dem Flug hatte ich noch kurz E-Mail-Kontakt mit dem Dekan der Universität, der mir versicherte, er schicke mir einen Studenten aus dem Wohnheim, der mich am Flughafen abhole. Wie ich im Nachhinein erfuhr, ist der Flughafen in Barcelona der neuntgrößte in ganz Europa! Umso verwunderlicher ist, dass mich mein Chauffeur, Pablo, tatsächlich gefunden hat. Vermutlich lag es an meinen schrecklichen Socken, die ich trotz Hitze und Sandalen anhatte, meinem Hawaii-Hemd und dem Fotoapparat, den ich mir umgehängt habe. Nein, natürlich nicht, er hatte natürlich mein Passbild gesehen. Er begrüßte mich mit den Worten: "Bienvenidos en Barcelona. Me llamo Pable y te llevaré a la residencia de estudiantes", was soviel heißt wie "Willkommen in Barcelona, ich heiße Pablo und bringe dich ins Studenten-Wohnheim". Und zugegeben, ich hab' ihn einfach nicht verstanden - aber nur akustisch. Anfangs traute ich mich nicht, nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstand, aber das änderte sich bald. Die Studenten aus dem Wohnheim waren durch die Bank weg schwer in Ordnung und so legte ich meine Schüchternheit recht schnell ab. In Barcelona hing das gesamte Semester so eine Stimmung von Urlaub in der Luft - obwohl ich beinahe jede Vorlesung besuchte! Der Studiengang, den ich besuchte, war auch nicht "spanische Geschichte", weil es den in Spanien scheinbar nicht gibt, sondern nur Geschichte. Das war aber auch in Ordnung.

Die meiste Zeit verbrachte ich eigentlich immer nur draußen an der frischen Luft, in Spanien scheint es auch nie schlechtes Wetter zu geben. Schade ist, dass ich das Skateboard meines Bruders nicht mitgenommen hatte, denn bestimmte Teile Barcelonas sind einfach nur große Parks, auf denen man nahezu alles mit den Rollbrettern anstellen kann. Viele Museen habe ich auch besichtigt und normalerweise nimmt man ja an, dass ein Besuch im Museum aufschlussreicher und spannender sein müsste als das bloße, theoretische Studium, aber nach dem dritten Mal Beine-in-den-Bauch stehen und alte-Sachen-anschauen hatte ich auch genug. Pablo und ich wurden richtig gute Freunde - am Ende brachte ich ihm sogar Deutsch bei, statt er mir Spanisch - und der Abschied fiel mir sehr, sehr schwer.

Aber wie das so ist, nach Schwüren, sich immer zu schreiben, anzurufen, Kontakt zu halten und sich irgendwann wiederzusehen - am Flughafen sah und hörte ich das letzte Mal von ihm. Aber halb so wild, ich bin froh, wieder in Deutschland zu sein, mit Rostbraten statt Meeresfrüchten und Frittierfett statt Olivenöl und schlechtem Wetter statt Sonnenschein. Hab auch im Internet Spanisch Kurse entdeckt, sind aber sicher nicht so toll wie wenn man es direkt in Spanien lernt. Meine nächste Sprachreise geht nacht London, dann heißt es suchen nach flatshare london und dann kommt einem auch nicht alles so spanisch vor.

NEWS:1) Mit Regenschirm und Langenscheidt nach Chile

Wer spanisch lernen will kauft sich ein diccionario oder verbringt seinen nächsten Urlaub in Spanien. Aber nicht die tollkühne Lisa Peter aus Wermelskirchen. Die Schülerin der Albert-Einstein-Gesamtschule in Remscheid braucht neben ihrer ersten Fremdsprache (Englisch) noch eine zweite und wählte spanisch. Der Ort, an dem sie möglichst viel über das Sprechen der Sprache und die Sprache an sich lernen möchte, ist das südamerikanische Chile.

Der Abschied von Familie, Freunden und ihrem Freund Thomas wird bestimmt nicht leicht, aber schon am 05. Juli 2008 geht der Flug nach Valdivia (Chile). Dort erwartet sie und ihre Schulklasse jede Menge Abenteuer, aber leider auch sehr viel Regen.

Praktischerweise organisiert der „Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland“ diese beneidenswerte Episode für Lisa im Rahmen eines Schüleraustausches. Regenschirm und Wörterbuch werden natürlich eingepackt, denn die 16-jährige kann ja bisher noch kein Wort spanisch.

Angst braucht sie keine zu haben. Schließlich kennt sie bereits ihre Gastschwester Cami, die im Jahr 2007 für zwei Monate zu Gast bei Familie Peter war. Camis Mutter ist deutschstämmig. Das erleichtert die Kommunikation in der Gastfamilie ungemein, denn Lisas Gastmutter kann deutsch und spielt bestimmt gerne die Rolle des Übersetzers, wenn es einmal klemmt. In der Schule, die Lisa in Chile besuchen wird, wird Lisa zum ersten Mal Deutsch als Fremdsprache erleben.

Lisas eigene Eltern freuen sich sehr für ihre mutige Tochter. Sie sind optimistisch, denn sie können ihrer Tochter vertrauen. Doch wenn sie nach diesem Ausflug einmal ernsthaft ans Auswandern denkt, können ihre Eltern vielleicht nicht so einfach loslassen. Fünf Klimazonen wird Lisa während einer elftägigen Reise in den Norden Chiles bis zur Atacama-Wüste durchqueren. Man könnte glauben, selbst das sei der jungen Frau nicht genug.

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Valdivia Chile zweite Fremdsprache Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland Schüleraustausch Gastfamilie


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